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Aktuell - 2015

Neue Gleisstopfmaschine für die Höllentalbahn

Beitrag verfasst am 06.05.2015

Das Gleisstopfen, das Unterfüttern der Schwellen mit dem nötigen Schotter, wurde bei der Höllentalbahn stets mit elektrischen Handstopfern erledigt. Diese Arbeit ist anstrengend und zeitaufwendig. Der Einsatz einer Gleisstopfmaschine von „Plasser & Theurer“ ist für unsere kleine Museumsbahn nicht finanzierbar; allein der Transport einer Leihmaschine wäre zu kostspielig. Ein hierzulande wenig bekannter Hersteller aus Frankreich produziert eine Gleisstopfmaschine für Schmalspurbahnen, die finanzierbar war - und die 2014 schon erfolgreich bei der Zillertalbahn eingesetzt wurde. Mit Hilfe zahlreicher namhafter Spenden konnte der Ankauf Ende 2014 fixiert und die Maschine im April 2015 erstmals erfolgreich getestet werden.

Die Stopfmaschine des französischen Herstellers bei der Probevorführung bei der Zillertalbahn.Die Gleisstopfmaschine „Tampingmachine CFG BR-100“ des französischen Herstellers „Constructions Ferroviaires Giragr (CFG)“ ist schon seit mehr als einem Jahr erfolgreich bei der Zillertalbahn in Tirol im Einsatz. Wir wollten uns daher unbedingt an Ort und Stelle überzeugen, ob sich die Maschine bewährt hat, bevor wir einen Ankauf in Erwägung ziehen. Die Kollegen der Zillertalbahn haben uns Ende November 2014 sehr freundlich empfangen und die neue Stopfmaschine, die dort im Sommer massiv eingesetzt wurde, praktisch vorgeführt. Es wurde ein Gleisabschnitt mit sehr grobem und ein Bereich mit extrem feinem Schotter bearbeitet. Beim groben Schotter (gröber als der bei uns verwendete) ist das Absenken der Schaufeln etwas langsamer, beim feinen Schotter „flutscht“ es richtig. Der Stopferfolg und die Verdichtung unter der Schwelle sind durch das Zusammendrücken der beiden Schaufeln unter der Schwelle deutlich besser als mit den bei uns verwendeten Handstopfgeräten. Das Eindringen der Schaufeln (je zwei Motoren und Hydraulikpumpen treiben je zwei Schaufelpaare an) erfolgt lediglich durch das Gewicht des Gerätes und der Vibration.

Ein typisches Bild vom Gleisstopfen bei der letzten Gleisbaustelle im September 2014: Zwei Mann an den Handstopfgeräten, ein „Zugabler“, der mit der Schottergabel fehlenden Schotter ergänzt.Wir haben die Zeit des Stopfvorganges an Ort und Stelle gestoppt: Bei Bedienung mit zwei Mann (also gleichzeitig beidseitig stopfen) erfolgt alle 20 Sekunden ein Schwellenwechsel, es können als also (bei routinierter Bedienung) drei Schwellen pro Minute gestopft werden. Wir brauchen derzeit mit fünf bis sechs Mitarbeitern etwa 1,5 Minuten je Schwelle, im Dreierteam vier Minuten, also rund fünfmal so lange bei dreimal so großem Personaleinsatz. Der Ankauf der Maschine war nur deshalb möglich, weil sich gleich sechs ehrenamtliche aktive Mitarbeiter der Höllentalbahn bzw. Mitgesellschafter der Höllentalbahn-Projekt GmbH. zu einer Spende bzw. Kapitalaufstockung in vierstelliger Höhe entschlossen haben. Sie haben damit einen wesentlichen Beitrag zum künftigen Erhalt der Höllentalbahn geleistet – und sich nebenbei selbst eine Freude bereitet, sind sie es doch, die künftig nicht mehr stundenlang mit den Handstopfgeräten auf der Baustelle schwitzen müssen, sondern die künftig deutlich bequemer eine moderne Gleisstopfmaschine bedienen können.

Noch vor Weihnachten wird die Gleisstopfmaschine (in drei Teilen) beim Hersteller in Frankreich für den Transport in Holzkisten verpackt. © Firma CFGDie Maschine wird im Regelfall von zwei Mann bedient und kann nötigenfalls auch von einem Mitarbeiter im Alleingang gesteuert werden. Damit können Gleisstopfarbeiten auch dann durchgeführt werden, wenn sich nur wenige Ehrenamtliche für einen Arbeitseinsatz gemeldet haben. Auch das war ein wesentlicher Grund für den Ankauf der Maschine, der im Dezember fixiert wurde. Schon vor Weihnachten wurde die Maschine (in drei Teilen) in Holzkisten verpackt und damit für die Lieferung nach Österreich per LKW vorbereitet.

Ein Bittbrief an den Streckeneigentümer und die Entscheidungsträger der Anrainer-Gemeinden blieb nicht unerhört. Als wäre es ein Weihnachtsgeschenk hat die Gemeinde Reichenau nach einem Beschluss des Gemeinderates Ende Dezember 1.000 Euro für die Gleisstopfmaschine überwiesen, die Gemeinde Payerbach folgte zu Jahreswechsel mit dem gleich hohen Betrag. Der Streckeneigentümer „MM-Karton“ hat den Ankauf ebenfalls großzügig unterstützt. Dafür wollen uns auch an dieser Stelle gebührend bedanken, denn diese nennenswerten Spenden sind ein deutliches Signal, dass unsere ehrenamtliche Arbeit in der Region nicht nur - wie in der Vergangenheit - geduldet, sondern nach vielen Jahren auch tatsächlich wertgeschätzt wird.

Die neue Gleisstopfmaschine der Höllentalbahn bei ihrem ersten Testeinsatz im „Hallenbogen“ vor der Remise Hirschwang.Am Samstag, den 11. April bestand die neue Maschine im ersten Testeinsatz ihre erste Bewährungsprobe. Es wurden alle Schienenstöße in der Haaberger-Geraden nachgestopft. Dies mit ausgezeichnetem Erfolg, bereits zu Mittag waren alle Stöße (4 Schwellen je Stoß, etwa 15 Stöße) fertig.

Technische Daten

Type:
Tamping machine CFG BR-100
Länge:
1.600 mm
Breite:
1.800 mm
Höhe:
1.600 mm
Dienstgewicht:
1.000 kg
Motoren:
2 x Honda GX390; 9,5 kW bei 2300 U/min
Stopfkraft:
2 x 6.730 N
Stopfleistung:
ca. 100 Schwellen / h
Feststellbremse:
mechanische Federspeicherbremse