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Geschichte - Die Materialbahn

Zug der Materialbahn in Hirschwang

1918 - 1926

1916 suchte die Holzschleiferei Schoeller & Co in Hirschwang wegen stark zunehmendem Frachtaufkommen um die Baubewilligung für den Bau einer Verbindung zur 5 km entfernten Südbahn an.

Zunächst sollte eine schmalspurige Materialbahn zur vorläufigen Güterbeförderung und später zum Bau einer Normalspurbahn, die weitgehend auf der gleichen Trasse verlaufen sollte, gebaut werden. Das Projekt wurde, da Schoeller k.u.k. Hauptlieferant war, vom Staat im Sinne der Kriegswirtschaft begünstigt, was die Enteignung der zu durchquerenden Grundstücke erleichterte.

Die Materialbahn konnte trotz der Geländeschwierigkeiten mit Hilfe von russischen Kriegsgefangenen als Arbeiter schon 1918 eröffnet werden.

Die beauftragte Baufirma war schon vorher mit dem Bau des Karawanken-Eisenbahntunnels beschäftigt und setzte dort wegen der Schlagwettergefahr Elektroloks ein. Diese kamen somit zusammen mit den Fahrleitungsanlagen nach Hirschwang, wo sie bis heute geblieben sind.

Diese Lokomotiven, 1903 gebaut, sind die ältesten betriebsfähigen Schmalspur-E-Loks Europas, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Eine von ihnen steht auch heute noch jedes Jahr in Betrieb und versieht trotz ihres hohen Alters klaglos ihren Dienst!

Die Stromzufuhr erfolgte durch einen in ca. 3m Höhe verlegten Fahrdraht aus Eisen. Das Stromsystem war mit 500V Gleichstrom vorgegeben. Als Triebfahrzeuge kamen drei der oben erwähnten elektrischen Stollenloks zum Einsatz. Als Güterwagen dienten ursprünglich 24 Feldbahnwagen die durch den Kauf von Güterwaggons der k.u.k. Heeresfeldbahn erweitert wurden.

Von der Materialbahn zur Lokalbahn

Die Trassierung der Normalspurbahn war bis Kriegsende großteils fertiggestellt. Vom 428m langen Artzbergtunnel, durch den die Normalspurbahn die gleichnamige Geländeformation zwischen Payerbach und Reichenau durchqueren sollte, war 1918 der Sohlstollen fertig, aber nicht der Firststollen.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der Bau der Normalspurbahn eingestellt und die Materialbahn stillgelegt. Die Zugänge zum Tunnel wurden zugeschüttet, um seine weitere Existenz und dem auch heute noch angeblich in ihm versteckten Kriegsgerät ranken sich wilde Gerüchte.

1920 wurde die Holzschleiferei in Hirschwang samt der Bahn von der Firma Neusiedler AG für Papierfabrikation übernommen, die in Folge die auch heute noch bestehende Papierfabrik errichtete. Die Neusiedler AG ließ das Projekt einer Normalspurbahn nach Hirschwang noch einmal betriebswirtschaftlich untersuchen. Die Kalkulations- und Rentabilitätsberechnung ergab enorme Herstellungskosten und ein hohes Dauerdefizit für die Normalspurbahn. Deshalb entschloß man sich, das Projekt fallen zu lassen und reichte im Jahre 1921 das Projekt einer „elektrischen Schmalspurbahn von Payerbach über Reichenau nach Hirschwang“ ein.

Durch den stark ansteigenden Wintertourismus überlegte man die Schmalspurbahn für den Personenverkehr einzurichten. Die Spurweite 760mm sollte beibehalten werden, jedoch die Trasse entsprechend umgelegt werden. Statt der Spitzkehren zur Überwindung der Artzberghöhe war das Ausfahren der Seitentäler am Steinhofgraben und in Thalhof mittels zweier großzügiger Schleifen vorgesehen. Ebenso wurde die vordem primitive Fahrleitung neu gebaut und für die bestellten Triebwagenzüge passend höher gesetzt. 1922 wurde die Konzession für die „Lokalbahn Payerbach Hirschwang AG“ erteilt. Somit begann der Umbau zur Lokalbahn.